Die Geschichte der ältesten Brauerei Hessens

Das Hofbrauhaus Arolsen ist wohl die älteste Brauerei Hessens. Die Anfänge gehen tief ins Mittelalter zurück, als an der Stelle der heutigen Stadt Bad Arolsen das Kloster Aroldessen stand.

Brautradition seit 1131

Im Jahre 1131 lebte hier die adlige Witwe Gepa von Itter. Sie war mit ihren drei unverheiratet gebliebenen Töchtern die letzten ihres Geschlechtes. Wie es in jener Zeit für alleinstehende Damen üblich war, wollten die vier ihren Lebensabend in einem Kloster verbringen. Zu diesem Zweck wandelten sie ihren alten Herrschaftssitz in ein Kloster um und fanden bald viele Mitschwestern.

Während der Fastenzeit erlaubte es ihr Gelübde nicht, feste Nahrung zu sich zu nehmen. So brauten sie gleich im ersten Jahr als Ersatz ein nahrhaftes Bier, das "flüssige Brot".

Von der Klosterbrauerei zum Hofbrauhaus

Die Nonnen führten das Kloster über Jahrhunderte erfolgreich. Doch Ende des fünfzehnten Jahrhunderts kam es zum Niedergang des Klosters. Die Nonnen wurden daraufhin durch Mönche aus Grünberg in Hessen ersetzt.

Doch schon bald kam aus Thüringen durch Martin Luther eine neue Auffassung des christlichen Glaubens nach Hessen, dem sich der hessische Landgraf als einer der ersten anschloss.

1526 wurde das Kloster Aroldessen durch den Vogt, dem Grafen von Waldeck, dem Schutzherrn des Klosters, aufgelöst. Sein Verwalter legte ein Inventarverzeichnis der übertragenen Güter an: Neben Getreide- und Viehbeständen, Feldern und Scheunen, wurde hier auch zum ersten Mal ein Brau- und Backhaus erwähnt.

Die Brauerei der Familie Brüne

Heinrich Brüne

Die Waldecker Grafen waren sicher froh, jetzt einen geeigneten Platz für ihre Sommerresidenz gefunden zu haben. Also bauten sie das Kloster neben ihrer neuen Hofbrauerei als Schloss um.

Als die Waldecker Grafen schließlich 1719 in den erblichen Fürstenstand erhoben wurden, war ihnen das alte Klostergemäuer nicht mehr standesgemäß genug. Das ehemalige Kloster wurde abgerissen und machte einem barocken Schloss nach der neuesten Mode Platz. Damit es eine richtige Residenz werden konnte, wurde gleich eine Stadt dazu gegründet, die mit dem Schloss im goldenen Schnitt entworfen wurde.

Mit der Gründung der Stadt Arolsen fingen die Fürsten an das Braurecht ihres Hofbrauhaus zusammen mit dem Krugrecht für die erste Gaststätte im Ort, die im Hofbrauhaus eingerichtet wurde, zu verpachten.

Über die Jahrzehnte wechselten die Pächter, bis schließlich Heinrich Brüne sen. aus dem Nachbardorf Külte kam und nach etwa zwanzig erfolgreichen Jahren als fürstlicher Pächter das Hofbrauhaus Arolsen 1910 käuflich erwerben konnte.

Seine Nachkommen führen das Hofbrauhaus inzwischen in vierter Generation.